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At-Taqwa
At-Taqwa ist eine Gnade von Allah gegenüber dem Menschen.
At-Taqwa ist eine Schutzfunktion, die einerseits im Menschen
vorhanden ist, andererseits jedoch erst durch die Aneignung von
Wissen und dessen zielgerichtete Umsetzung in aufrichtigen Taten
größere bzw. ihre volle Wirksamkeit erfährt.
Und bei einer (jeden) Seele und Dem, Der sie vollendete
und ihr (Neigung zur) Sündhaftigkeit und Taqwa eingab.
Erfolgreich ist, wer sie (die Seele) rein hält
und unglücklich, wer sie (mit Sünden) bedeckt (und somit
verkommen läßt).
(Ash-Shams, 7-10)
Allah ta^ala liebt nicht das Schlechte und befiehlt uns das Gute.
In der Hoffnung auf das Paradies und die vielen Freuden des ewigen
Lebens, verrichtest Du die Pflichten und hälst Dich von Sünden
fern - und damit wendest Du auch jeglichen Schaden im Jenseits ab.
Je mehr Wissen Du Dir aneignest und je mehr Du danach handelst,
desto größer wird At-Taqwa in Dir!
Und je ausgeprägter At-Taqwa in Dir ist, desto feinfühliger
wirst Du, den Geboten Allahs Folge zu leisten!
In seiner umfassenden Bedeutung beschreibt der Begriff Taqwa u.a.
die Größe eines Menschen bezogen auf seine Adligkeit,
seinen Wert und sein Ansehen bei Allah.
...Gewiss,
der Würdigste von euch bei Allah ist der mit der größten
Taqwa...
(Al-Hujurat, 13)
Du erkennst sehr schnell, in welch positiver, sich ergänzender
und fördernder Weise At-Taqwa und das Wissen stehen.
Nicht
nur deshalb haben der Gesandte und die Gelehrten an vielen Stellen
auf die Notwendigkeit, das individuelle Pflichtwissen zu erlernen,
hingewiesen.
Von
Seinen Dienern fürchten die Gelehrten Allah am meisten.
(Fatir, 28)
Im Zusammenhang mit dem Begriff Taqwa werden häufig folgende
Begriffe verwendet:
Gottesbewusstsein,
Ehrfurcht oder Gottesfurcht, Rechtschaffenheit und Frömmigkeit.
Sie sind
zutreffend, wenn sie im Kontext mit der Schutzfunktion von At-Taqwa
und den daraus hervorgehenden Folgen, die das Innere des Menschen
und sein äußerliches Verhalten betreffen, gesehen werden.
Sie stehen
in unmittelbarer Abhängigkeit vom Glauben, dem Wissen, dem
Gehorsam und den Taten.
Erste Voraussetzung, damit ein Mensch bei Allah überhaupt Ansehen
genießt, ist der auf der Wahrheit beruhende Glaube (Al-Iman).
Dem Glauben
liegt die Erkenntnis und die Gewissheit über die Existenz von
Allah und die Kenntnis von Seinen ewigen Eigenschaften zugrunde.
Die ewigen
Eigenschaften Allahs kann der Mensch allein unter Einsatz seines
Verstandes und durch Beobachten der Schöpfung erkennen.
Der Qur'an
bestätigt bezüglich dieses Aspektes vielfach die gewonnene
Erkenntnis.
So berichtet Ibn Majah von Jundub Ibn ^Abdillah, der sagte:
Als wir Jugendliche waren, waren wir mit dem Gesandten Allahs
und lernten die Glaubenslehre, bevor wir den Qur'an lernten.
Danach (erst) lernten wir den Qur'an und dadurch wurde unser Glaube
(noch) stärker.
Das erlangte Gottesbewusstsein führt aber nicht zwangsläufig
bei allen zu einer rechtschaffenen Handlungsweise.
Wer sich
die eigene Abhängigkeit vom Schöpfer und die eigene Bedürftigkeit
vergegenwärtigt, der empfindet Ehrfurcht gegenüber Allah
und beginnt danach zu suchen, womit er das Wohlgefallen Seines
Herrschers und Gebieters erlangen kann und wie er Ihm gehorsam
sein kann.
An diesem Punkt tritt der Stellenwert
und Nutzen
des islamischen Wissens zum Vorschein.
Erst die Kenntnis über die Regeln und Urteile innerhalb der
religiösen Gesetze ermöglicht ein rechtschaffenes Verhalten
durch gottgefällige Werke.
So wird auch die Frömmigkeit als Gehorsam gegenüber den
zu verrichtenden Pflichten und zu unterlassenden Verboten verstanden.
Wer alle Pflichten verrichtet und die Sünden unterläßt,
wird im islamischen Sprachgebrauch als Taqi bezeichnet.
Ein Taqi richtet seine Handlungen danach aus, Sünden zu vermeiden
und zu verhindern.
Aus eurer Mitte
soll eine Gemeinschaft (von Wissenden) entstehen, die zum Guten
aufruft, das Rechte gebietet und das Verwerfliche verbietet...
('Ali ^Imran, 104)
Das Verhalten des Taqi hat große Auswirkungen auf ihn und
seine Umgebung im Diesseits wie im Jenseits!
Im Diesseits liegen sicherlich die größten Auswirkungen
im zwischenmenschlichen Bereich:
- aufgrund
seiner Handlungsweise und seines Wissenstandes ist er als vertrauenswürdig
anzusehen, so dass von ihm lehrreiches Wissen genommen werden
kann und ihm Dinge anvertraut werden können
- die stetige
Verfeinerung seines schönen Charakters läßt ihn
Vorbild sein
- er fügt
keinem Unrecht zu und sagt keine verletzenden Worte
- er ist in
der Lage, Probleme leichter zu bewältigen und mit Plagen
umzugehen
Für ihn selbst wirkt sich sein rechtschaffenes und gottgefälliges
Wirken während seiner Lebenszeit auch auf schöne Art
und Weise unmittelbar nach seinem Tod aus:
- Am Ende
einer längeren Aussage, welche sich auf die von zwei Engeln
durchgeführte Befragung des Toten in seinem Grab bezieht,
sagte der Gesandte:
...und dann wird ihm (dem Taqi) sein Grab 70 Ellen in der Länge
und Breite ausgeweitet und (mit einem Licht, das dem des Vollmondes
gleicht) erleuchtet.
Dann wird zu ihm gesprochen: Schlafe!
Dann schläft er den Schlaf einer Braut in ihrer Hochzeitsnacht
(so angenehm!)...
(von Ibn Hibban überliefert)
- er sieht
zweimal am Tag seinen Platz, den er im Paradies einnehmen wird
- er nimmt
den Duft des Paradieses wahr
- er kommt
ohne Bestrafung ins Paradies
Oh Allah,
lass' uns zu denen gehören, die ohne Bestrafung in das Paradies
eintreten werden. Amin!
Lieber Bruder,
lieber Schwester,
sei wachsam und bilde Deine Taqwa in höchstem Maße aus:
- nimm regelmäßig
an islamischen Unterrichten teil und erlerne zuerst das Pflichtwissen
- überprüfe
Deine Handlungen und tue
für Dich viel Gutes
- kontrolliere
Deine Gelüste und Deinen Appetit
- sei bescheiden
und dankbar
- denke oft
an den Tod - vor allem im Gebet, um Deine Demut zu steigern
- vertraue
auf Allah
Ein Taqi zu werden, bleibt nicht allen Muslimen vorbehalten und
der Weg dorthin ist dornig.
Wie wandelst Du auf diesem Weg voller spitzer Dornen, die
jederzeit bereit sind, Dich zu pieken und zu stechen?
Würdest Du Dich nicht vor ihnen in Acht nehmen, ihnen ausweichen
oder sie beseitigen?
Lieber Bruder, liebe Schwester,
das ist Taqwa!
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